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Neuer Weg in Schleswig-Holstein

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Meine bisherigen Wanderungen haben mich einmal 1900 Kilometer längs auf dem E1 und einmal ca. 1600 Kilometer schräg auf dem E8 durch Deutschland geführt. Nun beginnt in diesem Herbst 2026 ein neues Kapitel. Nachdem ich mich in den letzten fünf Jahren – abgesehen von einem Intermezzo am Niederrhein – weitgehend in mir vertrauten südlichen Gefilden getummelt habe, steht mir nun der Sinn nach maximaler Exotik: Ausflug in den hohen Norden unserer Republik. Nicht gegangene Wege gehen, nicht besichtigte Sehenswürdigkeiten würdigen.

Fernwanderung während 110 Kilometern auf der Westvariante des Europäischen Fernwanderwegs E1 in Schleswig-Holstein - von Schleswig bis Michaelisdonn (wegen eines Abstechers nach Helgoland).

Von diesen knapp 260 Kilometern sollen nur etwa 110 gelaufen werden. Der Ausstieg erfolgt in St. Michaelisdonn, weil die Nordsee näher erkundet werden soll

Nicht der richtige Blog-Eintrag? Oder Lust auf mehr zum Thema Wandern und Fernwanderung? Zu Planung, Ausrüstung und Tipps? Zum Thema "Walking on the cool side"? Hier geht's zurück zu: Cool Walking

Lumpensammler-Pantoffel-Tour

Wie mehrfach in meinen Beiträgen angedeutet, soll zukünftig weniger die Anstrengung und mehr das gemächliche Vor-sich-hin-Trotten, verbunden mit dem "Eingehen" auf Kuriositäten und auf Besonderheiten, im Vordergrund stehen. Kurz: Mehr Walk als Hike.

Je weniger Kilometerdruck, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass einem unterwegs etwas ins Auge fällt. Insbesondere auf meiner Pioniertour durch Schleswig-Holstein vor reichlich acht Jahren kam dieser Aspekt viel zu kurz. Zu sehr war ich beschäftigt mit schwerem Gepäck, mangelhafter Ausrüstung und vorzeitlichem Kartenmaterial. Überdies war es heiß und aufgrund der sportlichen Etappeneinteilung (ja, man kann 30 oder mehr Kilometer am Stück laufen, aber …) reichte die Zeit nicht für ein Herumstrolchen an interessanten Orten. Kurz: Es fehlen Orte, Wegpassagen und auch Erinnerungen.

So kam die Idee zu einer „Lumpensammler-Pantoffel-Tour“ auf. Liegengebliebene Sehenswürdigkeiten einsammeln bzw. aufsuchen, nicht gegangene Strecken nachgehen – in kürzeren Streckenabschnitten und langsamerer Gangart sowie mit längeren Pausen.

Und jetzt kommt die Exotik ins Spiel. Alles südlich des einstmals von mir definierten imaginären Äquators Deutschlands (siehe auch hier) wirkt auf mich vollkommen vertraut – ja gut, fast alles. Wohingegen Landschaften und Eigenheiten nördlich dieser Demarkationslinie eine Art Fremdzauber bei mir auslösen.

All diese Überlegungen führten schließlich zu dem Entschluss, noch einmal die Reise in den hohen Norden unserer Republik anzutreten. Zum einen wurden dort seinerzeit Attraktionen nicht gewürdigt (Haithabu, Schleswig mit Dom), es gibt eine Wegstrecke, die noch nicht gegangen wurde (dänische Grenze bis Flensburg) und: Die West-Variante des Europäischen Fernwanderwegs E1 führt in die Nähe der Nordsee. Hochspannend, denn dieses Meer kenne ich noch nicht.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, ist eine Busfahrt nach Brunsbüttel und von dort ein Ausflug nach Helgoland geplant. Läuferisch verausgaben kann man sich dort nicht, ganz klar, aber herumstreichen und ein Gefühl für das norddeutsche Maritime bekommen wohl schon. Ich sage immer:

Wer einmal in Buxtehude war, muss auch mal auf Helgoland gewesen sein.®

Wir kommen zu der für diesen Herbst geplanten Tour. Von Schleswig bis nach Hamburg Blankenese sind es 260 Kilometer mit gesamt 1.080 Höhenmetern (soll nicht kleingeredet werden), im nördlichen Teil geht es durch die Eider-Treene-Sorge-Niederung. Die vielfach erwähnte Mäanderschleife der Sorge mitsamt dem angrenzenden Ort Ekel wird dabei sprichwörtlich links liegengelassen. Cool Walking wird übrigens im Sinne des Helgoland-Projekts bereits bei Kilometer 112 aussteigen, in St. Michaelisdonn – die Wandersfrau strebt diesmal nicht nach Höherem, sondern nach Fernerem. Einem Ziel, für dessen Erreichen besondere Anstrengungen zu Land und zur See unternommen werden müssen.

Ein kleines bisschen fürchte ich mich ja schon vor meinem Schneid, denn das Bildmaterial, das Vorwanderer auf Komoot hinterlegt haben, sieht seltsam gleichförmig aus. Der Chatbot, den ich um eine recht freundliche Beschreibung der topografischen Gegebenheiten bitte, formuliert: „eine stille, weite Niederungslandschaft zwischen Geest und Marsch, geprägt von Mooren, Flüssen, Entwässerungsgräben und feuchtem Grünland.“ Dieser kleine KI-generierte Text stimmt mich direkt wieder zuversichtlich.

Meine Suche nach Bildmaterial indessen, das diesen Beitrag untermalen soll, ist unerfreulich unergiebig. Denn Attraktionen wie Burgen, Schlösser und Aussichtspunkte sind nicht zu erwarten, sondern eher Moore, Gräben, Flüsse, Feuchtwiesen, alte Flussläufe. Zu unspektakulär für Bilddatenbanken, bei denen man sich übergangsweise – bis eigene Fotos da sind – etwas borgen möchte. Also wird die Kartenfunktion der Suchmaschine bemüht, die wiederum allerlei Erstaunliches zum Vorschein bringt:

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Screenshot. Dieser Ort trägt den verheißungsvollen Namen „Waldesruh“. Das Geschöpf oben links mit der kräftigen Kaumuskulatur stellt den besten Freund seines Menschen dar, das darunter abgebildete Gericht schmeckt bestimmt besser, als es aussieht. Die von Niederbayern in vielerlei Hinsicht maximal verwöhnte Wandersfrau ist besorgt

Es gibt auch einen Fotografen, der auf Bushaltestellen spezialisiert ist – namentlich Poul Krogsgard aus Dänemark. Sein sehr informatives Werk publiziert er auf der vorhin genannten Kartenfunktion der Suchmaschine. Hier beispielsweise die Station in Wolmersdorf, an der der E1 vorbeiführen wird:

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Wie wird der bayerische Ortsname (wahlweise Ortnamenszusatz) Öd eigentlich in die schleswig-holsteinische Landessprache übersetzt?

Also über diese Schiene nichts Verwertbares zu finden. Ich habe als Beitragsbild ein altes eigenes Foto hergenommen, das auf dieser Wanderung entstanden ist. Sowie als Symbolbild für diese Tour die Aufnahme von Frauke Riether (Pixabay):

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Der Nord-Ostsee-Kanal, möglicherweise sogar bei der Grünental-Hochbrücke, wo die diesjährige Herbstwanderung vorbeiführt (Copyright Frauke Riether / Pixabay)

Weil 112 Kilometer nicht gerade nach viel klingt, sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass eine E1-Lücke von der dänischen Grenze nach Flensburg geschlossen werden soll, ebenso wie eine Kulturlücke bei Schleswig: Haithabu steht diesmal auf dem Programm. Für diese Aktionen wird je ein Tag eingeplant, sodass die 14 Tage Abwesenheit von zu Hause wegen An- und Abreise und dem Helgoland-Exkurs mit anschließendem Hamburg-Spin wandertechnisch zusammenschnurren auf sieben Tage.

Mehr müsst Ihr jetzt nicht wissen. Wie immer, wird es an dieser Stelle noch einen Bericht über die Anreise und Unterbringung am Zielort Flensburg geben.

Gemeinheit ...
... und zwar: Der ICE nach Haburg ist pünktlich. Man jubiliert und tiriliert schon, noch eine Minute bis zum Umsteigebahnhof Hamburg-Harburg. Der Zug bleibt stehen. Das war's. Der Zug kann nicht einfahren in den Bahnhof. Die großzügigen zwanzig Minuten Umsteigezeit schmelzen dahin auf etwa fünf Minuten. Die man voll und ganz braucht, denn die Beschilderung ist dermaßern bescheiden, dass alle nur in die Luft gucken, bis jemand ruft "da!" und die Masse hinterherrennt. Aus dem Bahnhof raus, durch eine Baustelle durch, hinab in einen Schacht. Der Zug fährt ein. Puh.  Umsteigen in Hamburg selbst auch kein Zuckerschlecken. Die Gleisänderung wird der 
Reisenden äußerst kurzfristig mitgeteilt. Aber: Ende gut, alles gut, in dem total überfüllten Zug nach Flensburg wird noch ein Sitzplatz erkämpft, der Rest hockt am Boden und meditiert vor sich hin. Niemand mault, alle entspannt - und bald schon quert man den Nord-Ostsee-Kanal:
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Es gelingt noch ein weiteres Bild eines bemerkenswerten Bauwerks:
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Für die langgezogene Schleife auf Stelzen kurz vor Rendsburg, ein beliebtes Fotomotiv, hätte man auf der anderen Seite sitzen müssen. Egal.
In der nördlichsten Stadt Deutschlands angekommen:
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Der Fußweg zur Unterkunft macht Laune:
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Es ist noch früh am Tag und ein kleiner Spaziergang am Hafenkai weckt schöne Erinnerungen an den letzten Aufenthalt vor mittlerweile acht Jahren.
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Wobei die Autorin dieser Zeilen sich schon fragt, woher  die Besitzer des Etablissements mit der Seeterrasse wissen konnten, das Helgoland auf dieser Reise noch eine Rolle spielen soll:
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Das Wasser der Förde glitzert.
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So aufregend wie in Hamburg sind die Schiffe hier nicht, aber optisch geben sie schon was her:
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Raststationen

In sehr guter Erinnerung vom letzten Mal ist die Beach Bar - mit coolem Spruch:
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Heute Abend bin ich eingeladen, von G. & S.P. aus F., selbst E1-Gänger und engagierte Follower und Fans von Cool Walking, durch persönliches Kennenlernen in den Adelsstand der "Wegbegleiter" erhoben, und zwar im "Piet's im Fischmarkt" (in den Räumen der ehemaligen "Fischperle"). Schöne Ambiance, essenstechnisch für jeden Geschmack etwas dabei.
Gewohnt habe ich in der "Hafenpension Hygge". Man sollte meinen, dass sich hinter diesem Namen das Nordische verbirgt. Die versierte Hotel- und Unterkünftekennerin hingegen  identifiziert: „Hygge“ im Namen, ein Hauch Balkan im Detail – eine durchaus eigenständige Interpretation nordischer Gemütlichkeit. Äußerst beliebt bei Touristen, das Haus ist voll, alle Zimmer belegt.

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